Samstag, 10. August 2019

Du bist schlecht

„Wie wir Ihren Unterlagen entnehmen müssen, sind die bisherigen Verkaufszahlen Ihrer im Eigenverlag erschienenen Werke keineswegs überzeugend. Wir müssen daher von der Prüfung Ihres neuen Manuskriptes Abstand nehmen.“

Immerhin eine Antwort – auch wenn die Aussage „du bist schlecht weil du bisher nichts verkauft hast“ auf mich ein wenig skurril wirkt. Aber Aussagen von Verlagen haben mich immer schon irritiert. Sofern ich überhaupt Antworten bekommen habe.
Wahrscheinlich lag der Fehler bei mir. Denn ich habe versucht mit meinem gesamten Zyklus bei einem Verlag unter zu kommen. Das sind inzwischen 7 Bücher, die schon über BooksOnDemand erhältlich sind und noch mindestens zwei, die dazu kommen werden.
Und wenn ich mir so manches von damals in die Hand nehmen, dann bin auch ich fest davon überzeugt, dass man es noch mindestens 98 Mal überarbeiten muss.

Andererseits möchte ich ja, dass meine Geschichten auch als e-book erhältlich sind und, dass sie 'on Demand' gedruckt werden. Also nur dann, wenn tatsächlich eine Bestellung vorliegt. Mich erschrecken schon die Berge von Büchern in den Geschäften. Was in Lagern herum liegt, das jagt mit den kalten Schauer über den Rücken.
Vielleicht bin ich auch wirklich schlecht. Wenn mein letztes Buch gelobt wird mit den Worten, es sei nicht ganz so schwierig zu lesen wie die anderen, dann ist der Gedanke nicht abwegig.

Aber ich empfinde es als notwendig, dass ich meine Geschichte erzähle. 
Weil es sonst keiner tut.

Montag, 18. März 2019

GEGEN-WART - das neue Buch ist da


Ein Krimi aus Wien.
Einfach eine Kriminalgeschichte.
Also, so einfach, wie meine Sachen halt sind ...

... bei Amazon

Die Freiheit Europas

Bei uns in Westeuropa, zum Beispiel, steht die Freiheit offiziell hoch im Kurs. Nur gemahnt sie mich unwillkürlich an jene arme Verwandte, der wir in gewissen bürgerlichen Familien begegnen. Die Verwandte ist verwitwet, sie hat ihren naturgegebenen Beschützer verloren. Also hat man sie aufgenommen, ihr ein Dachstübchen zugewiesen und ihr Zutritt zur Küche gewährt. Zuweilen zeigt man sie sonntags in Gesellschaft vor, um zu beweisen, dass man der Tugendhaftigkeit nicht entbehrt und kein Unmensch ist. Aber im übrigen, und insbesondere bei feierlichen Gelegenheiten, ist sie gebeten, die Klappe zu halten. Und wenn ein zerstreuter Polizist sie auch ein bisschen in dunklen Ecken vergewaltigt, macht man kein Aufhebens davon; sie ist noch ganz andere Dinge gewöhnt, vor allem vom Hausherren, und schließlich lohnt es sich nicht, deswegen Scherereien mit der Obrigkeit zu kriegen.

So sprach Albert CAMUS 1953 ...

... und seine Worte haben 2019 nicht an Gewicht verloren.

Sonntag, 13. Januar 2019

Nach Wien?

Nun, wenn der österreichische Bundeskanzler sagt, dass „die Menschen in Wien, die in der Früh nicht aufstehen können oder wollen, Mindestsicherung bezieht“ - dann wäre das doch durchaus ein Grund nach Wien zu übersiedeln.
Und ich erfülle auch all die Voraussetzungen, welche der Herr Bundeskanzler im Interview anführt:
  • Ich komme des Morgens nicht oder nur sehr schwer auf um Arbeiten zu gehen.
  • Zumindest zwei meiner Großeltern stammen aus einer Gegend welche heute nicht mehr zu Österreich gehört, also bin ich eine „Person mit Migrationshintergrund“.
Mehr noch: Da ich im Waldviertel geboren bin und es dort keine Jobs gab, bin ich nach Wien gegangen um zu arbeiten. Also bin ich, in den Augen des Herrn Kurz, auch der typische Wirtschaftsflüchtling.
Zumindest habe ich keine Wienerin geheiratet. Sonst könnte man mir auch noch vorwerfen, ich hätte den Wienern eine Frau weggenommen. Aber das gehört auch mehr zum Sprachgebrauch des Herrn Vizekanzlers.

Wer jetzt glaubt, es wäre ein Tiefpunkt erreicht, wenn der Chef einer gewählten Regierung die Bevölkerung beschimpft, welche er eigentlich vertreten sollte, dann sage ich – wartet ab. Dass geht noch viel tiefer. Die kommenden Monate und Jahre werden es zeigen.

Was ich noch nicht so ganz verstehe: Der Bundeskanzler sagt, dass die Bezieher der Mindestsicherung nicht so leben sollen, wie er es selbst tut. Warum nicht?

Dienstag, 1. Januar 2019

Erster Jänner

Silvester – Jahreswechsel – Neujahr – Jahresende – oder - Árslok, wie die Isländer sagen.
Ein fixer Punkt in einem Zyklus an dem ich mich jedes Mal frage, ob diese Menschen nicht doch zu dumm sind.
Maschinengewehrgarben knattern durch die Nacht, das Heulen von Flakgeschützen schneidet dazwischen. Dann das bestätige Wummen der Mörser. Und immer wieder flackert Sperrfeuer aus unzähligen Gewehren auf.
Nein, ich befinde mich nicht in einem Kriegsgebiet sondern mitten in Europa und ich staune wieder einmal darüber, dass gerade den Menschen, die am friedlichsten leben, der Klang des Krieges so wichtig ist. Denn das ist es für mich, der Klang des Krieges. Das Lied des Wahnsinns, die Stimme des Todes.
Ein Hand voll Menschen, ein paar Milliarden, ergötzen sich am Ohren und Sinn betäubenden Spektakel – Tausende Milliarden anderer Wesen stehen stumm und starr von Schreck und Angst und Unverständnis daneben und verstehen diese Welt (der Menschen) nicht.
Man kann die Feiern zum Jahreswechsel nicht verbieten. Zu groß wäre der wirtschaftliche Schaden. Und der Wirtschaft muss es gut gehen. Um jeden Preis. Das sieht deutlich, wer die Programme der Regierungen für das nächste Jahr betrachtet.
Wenn es dieser Wirtschaft gut geht – dann verdienen ein paar wenige sehr viel mehr. Und viel kommen über die Runden. Und sehr viele kommen unter die Räder.

Ich erinnere mich noch an eine Zeit, in der ein Mann sagen konnte: „Überlege nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern überlege, was du für dein Land tun kannst!“ - und er würde dafür nicht in ein Irrenhaus gesteckt. Damals.
Heute lautete die einzige Devise: „Ich, ich, ICH will mehr, mehr, MEHR!“
Und sie klingt aus den Schlössern der Konzernchefs ebenso wie aus den Mietburgen des Mittelstandes wie aus den Protestlagern der Gelbwesten, aus den Unterschlüpfen der illegal Beschäftigten, aus den Flüchtlingsbooten, aus den Zufluchten der Terroristen und aus den Wärmestuben der Obdachlosen.

Auch wenn mir der Untergang dieser Menschheit seit Langem klar vor Augen stand, so schmerzt er mich doch. Ein wenig aus Selbstmitleid, weil es jetzt heißt den Niedergang mit all seinem Chaos und Tod und Elend abwarten zu müssen um dann diese mühsame Arbeit wieder von Neuem beginnen zu können.

Mittwoch, 19. Dezember 2018

Würde ich eine gelbe Weste tragen ...

… dann würde ich wohl anfangen ein wenig in die Zukunft zu sehen.
Gut, man hat viel erreicht in Frankreich. Ansehen, Verlässlichkeit und Staatsfinanzen sind beschädigt. Weihnachtsgeschäft für viele Händler ein Fiasko und der Tourismus eingebrochen.
Belgien, Portugal, die Niederlande kopieren die Bewegung.
So weit, so gut. Gut? Ja, gut!
 
Die Polizei ist inzwischen so mürbe, dass nur mehr Dienst nach Vorschrift gemacht wird und es kann nicht mehr lange dauern, bis man dort sich weitgehend von den Straßen zurück zieht.
Wenn jetzt die Feiertage kommen – und das Chaos auf den Straßen zunimmt. Wenn etwa die Versorgung der Bevölkerung in die Knie geht, weil LKW-Fahrer streiken, Straßen mit Blockaden gesperrt werden oder die Treibstoffversorgung der Tankstellen schwierig wird – dann wird die Bevölkerung erst recht aufschreien. Dann wird sie aufstehen und sich geschlossen gegen die Unfähigkeit der Regierenden stellen.
Dann wird es Bürgerwehren geben, die (wie aus dem Nichts?) die Straßen übernehmen und für Ruhe und Ordnung sorgen. Regionale Verbände, welche die Versorgung sicher stellen
Und koordinieren wird dies eine neue Jeanne d’Arc – vielleicht Marie LePen.
Die Wahl der Regierung wird hinfällig, weil Macron bewiesen hat, dass er und seine Bewegung unfähig sind. Weil bewiesen wurde, dass einzig die Front Nazional in der Lage ist das Überleben der französischen Bürger zu sichern.
 
Auch weit links stehende Gelbwesten werden erkennen müssen, dass die Bevölkerung in erster Linie Sicherheit und Ruhe wünscht. Dass Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit durchaus akzeptabel sind, wenn so die Versorgung gesichert wird.
Und dass jedem Bürger das eigene Überleben weit wichtiger ist, als hochfliegende Ideale abgehobener Idealisten.

Mittwoch, 25. Juli 2018

Das Beamtentum und die Gesellschaft

Es war so zirka damals, als die Handelshäuser erstarkten, die Bürger gebildeter wurden und die Herrschenden immer panischer, dass das Beamtentum eingeführt wurde.
Personen, die den Herrschenden helfen sollten das Land zu verwalten und gleichzeitig darauf zu achten hatten, dass sich diese Herrschenden nicht (über Maßen) an der Bevölkerung bereicherten.
Um dies zu erreichen sah man darauf, dass diese Beamten einigermaßen verdienten um nicht bestechlich zu sein - aber nie all zu gut um keinen Neid zu erregen. Andererseits musste man sie vor der Willkür der Herrschenden durch Unkündbarkeit schützen, um sie nicht manipulierbar zu machen.

Eine Klasse von Priestern des Allgemeinen Wohlstandes zu schaffen, die jedermanns Fortkommen im Auge hatte, das war ein interessantes soziologisches Projekt und eine Phantasie, die eindeutig dem Weltbild des 'reifen und von Natur aus gerechtem Menschen' der Aufklärung geschuldet war.
Dass trotz aller Sorgfalt Menschen käuflich sind, oder unter Druck gesetzt werden können, das bewiesen die Generationen, die darauf folgten.
Wohl in seiner reinsten Verkörperung findet sich der pflichtbewusste Beamte noch in der Person von Franz-Josef von Habsburg-Lothringen, seines Zeichens 'Kaiser von Österreich und erster Beamter und Diener des Staates'.

Ab dem beginnenden 20. Jahrhunderts (dem Beginn des Antropozäns?) wurden die Massen selbstbewusster und die Wächter ihres Wohlstandes immer mehr zu Witzfiguren, Hassbildern oder verknöcherten Verhinderern der Entfaltung.

Interessant für mich ist, dass gerade im Zeitalter der wirtschaftlichen Stagnation der Ruf nach dem Abbau 'der Beamten' immer lauter wird. Und immer mehr mitgetragen wird von den Menschen, die eigentlich im Schutz des Beamtentums stehen. Das Streben nach „mehr Privat – weniger Staat“ mag einigen wenigen nützen, der Masse der Menschen läuft diese Bewegung aber zuwider. Denn 'die Wirtschaft' ist ein vom menschlichen Leben abgehobenes System, das schon lange nicht mehr dazu dient um den Menschen zu versorgen. Wenn es denn je dessen Sinn war.
Ist die Menschheit vergleichbar mit einem Virus, der den Körper des Planeten befällt und ihn aussaugt, so ist die Wirtschaft darin das Krebsgeschwür dessen einziges Interesse ungehindertes Wachstum ist. Was den Wirtskörper unweigerlich vernichten muss.
Tendenzen zu einer 'sozialen Marktwirtschaft' zu kommen waren ebenso halbherzig wie erfolglos.

Die Struktur des Staates so wie die Funktion der Beamten war es – in der Idee – die Menschheit durch Regeln und Schranken vor dem Übermaß zu schützen und die Entwicklung in nachhaltige Bahnen zu lenken.

In dieser Gesellschaft, in der Menschen in prekären Jobs denen unter Mindestlohn die Überstunden neiden und die, die ohne Job von der Gemeinschaft versorgt werden laut und eifersüchtig darüber wachen, dass niemand Neuer dazu kommt – in dieser Gesellschaft hat das 'Traumbild des unendlichen Wachstums' über den gesunden Menschenverstand gesiegt und die Gesellschaft taumelt in weiten Schleifen der Eskalation zwischen Börsenblase, Neiddebatte und ängstlicher Vermeidung der Kooperation einem neuen, nationalen Chaos entgegen.

Dass jedem Untergang ein neuer Aufschwung folgen wird – folgen kann, wenn die Zerstörung nicht all zu groß ist – das mag für die Menschen des 21. Jahrhunderts nur ein schwacher Trost sein.